Stand: November 2026. Quellen geprüft am 2. November 2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein klarer Nutzen von medizinischem Cannabis bei Schlafstörungen ist nicht belegt. Ein Cochrane-Review von 2026 fand im Vergleich zum Scheinmedikament möglicherweise keinen oder nur einen geringen Effekt, die Belege sind sehr unsicher.[1]
  • Die deutsche S3-Leitlinie Insomnie empfiehlt als erste Behandlung in jedem Alter eine spezielle Verhaltenstherapie. Cannabinoiden fehlt laut Leitlinie derzeit eine solide wissenschaftliche Grundlage.[2]
  • Bei Menschen mit chronischen Schmerzen verbessert sich der Schlaf unter Cannabis-Arzneimitteln wahrscheinlich leicht. Schwindel tritt dabei deutlich häufiger auf.[3]
  • Auch Cannabis kann zu Missbrauch und Abhängigkeit führen.[4]
Älterer Mann liegt nachts wach im Bett, auf dem Nachttisch ein Wecker.

Was ist eine Schlafstörung im Alter?

Fachleute sprechen von einer Insomnie, wenn jemand schlecht einschläft, nachts häufig aufwacht oder morgens viel zu früh wach ist und sich deshalb tagsüber beeinträchtigt fühlt. So beschreibt es die S3-Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“ der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM).[2]

Schlafprobleme sind weit verbreitet. In einer Befragung des Robert Koch-Instituts von 2024 mit 27.038 Erwachsenen berichteten 16,3 Prozent von Einschlafproblemen und 31,7 Prozent von Durchschlafproblemen in den vergangenen vier Wochen.[5] Eine Insomnie mit Beschwerden am Tag ist seltener. Eine frühere bundesweite Studie fand sie bei 5,7 Prozent der Erwachsenen bis 79 Jahre.[6]

Im Alter wird der Schlaf leichter und störanfälliger. Nach Angaben von Fachärzten leidet fast jeder zweite Mensch über 65 Jahren unter chronischen Schlafstörungen. Häufige Ursachen sind Schmerzen, andere Erkrankungen, Medikamente oder seelische Belastungen wie eine Depression.[7] Deshalb lohnt es sich, Schlafprobleme ärztlich abklären zu lassen.

Ältere Frau öffnet morgens den Vorhang im Schlafzimmer.

Was sagen Studien zu Cannabis bei Schlafstörungen?

Die Cochrane Collaboration, ein unabhängiges Netzwerk für die Bewertung von Studien, hat im Oktober 2026 neun randomisierte Studien mit 537 Teilnehmenden zwischen 18 und 76 Jahren ausgewertet. In solchen Studien entscheidet das Los, wer den Wirkstoff und wer ein Scheinmedikament bekommt. Ergebnis: Medizinisches Cannabis hat auf Schlafqualität, Schlafdauer und Befinden am Tag möglicherweise keinen oder nur einen geringen spürbaren Effekt. Die Belege sind sehr unsicher.[1]

Andere Auswertungen kommen zu etwas günstigeren Ergebnissen. Eine Analyse von sechs Studien mit 1.077 Menschen fand 2025 eine mäßige Verbesserung der selbst eingeschätzten Schlafqualität, die Ergebnisse schwankten aber stark zwischen den Studien. Reines CBD zeigte dabei keinen Effekt.[8] Eine Übersichtsarbeit in Lancet Psychiatry fand 2026 bei Insomnie etwas längere Schlafzeiten, bei niedriger Qualität der Belege.[9]

Am besten untersucht ist der Schlaf bei Menschen mit chronischen Schmerzen. Eine Auswertung von 39 randomisierten Studien mit 5.100 Patientinnen und Patienten, die meisten mit Schmerzen, zeigte: Unter Cannabis-Arzneimitteln erreichten etwa 8 von 100 Behandelten mehr als unter Scheinmedikament eine spürbar bessere Schlafqualität. Die Forschenden bewerten diesen kleinen Nutzen als mäßig sicher belegt.[3]

Die S3-Leitlinie Insomnie (Update 2025) nennt Cannabinoide nur als Möglichkeit, die künftig stärker untersucht werden könnte, weil ihnen momentan eine solide empirische Basis fehlt.[2] Auch eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift JAMA kam 2026 zu dem Schluss, dass randomisierte Studien den Einsatz von Cannabis bei Schlaflosigkeit nicht stützen.[10]

Älteres Paar liest auf dem Sofa gemeinsam ein Informationsblatt.

Welche Risiken gibt es für ältere Menschen?

Eine Auswertung von 58 randomisierten Studien mit 6.611 Menschen ab 50 Jahren zeigte 2024: Cannabis-Arzneimittel mit THC verursachen häufiger Nebenwirkungen als Scheinmedikamente. Je höher die THC-Dosis, desto öfter traten Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Benommenheit, Mundtrockenheit und Denkstörungen auf.[11] In den Schmerzstudien mit mindestens drei Monaten Dauer hatten von 100 Behandelten etwa 29 mehr Schwindel als unter Scheinmedikament.[3]

Die S3-Leitlinie warnt, dass fast alle Schlaf- und Beruhigungsmittel bei älteren Menschen zu Stürzen, Verwirrtheit und Denkstörungen führen können. 80-Jährige nehmen im Durchschnitt acht Arzneimittel ein.[2] THC und CBD werden in der Leber über Enzyme abgebaut, die auch viele andere Arzneimittel verarbeiten. Eine Arbeit von 2024 fand Hinweise auf Wechselwirkungen mit 20 Gruppen von Arzneimitteln.[12]

Auch Cannabis kann abhängig machen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) weist bei Cannabisblüten auf die Gefahr von Missbrauch und Abhängigkeit hin.[4] In Beobachtungsstudien erfüllten 29 Prozent der Menschen, die Cannabis aus medizinischen Gründen nutzten, die Kriterien einer Cannabiskonsumstörung, also eines problematischen Gebrauchs bis hin zur Abhängigkeit. Ob das ebenso für eng ärztlich begleitete Behandlungen gilt, ist offen. Zusammen mit Alkohol oder anderen Beruhigungsmitteln kann sich die dämpfende Wirkung addieren.[10]

Ältere Frau sitzt am Fenster bei einer Tasse Tee.

Für wen kann eine Behandlung in Frage kommen?

Die S3-Leitlinie empfiehlt bei Insomnie in jedem Alter zuerst die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie, kurz KVT-I. Darin lernt man, Schlafgewohnheiten und belastende Gedanken rund um den Schlaf zu verändern. Das gilt auch, wenn weitere Erkrankungen bestehen. Schlafmittel kommen erst danach in Frage, bei älteren Menschen nur mit großer Zurückhaltung.[2]

Medizinisches Cannabis kann eher dann ein Thema sein, wenn eine schwerwiegende Erkrankung wie chronische Schmerzen den Schlaf stört und andere Behandlungen nicht ausreichen. Für diese Gruppe gibt es die meisten Daten, mit kleinem Nutzen für den Schlaf.[3] Ärztinnen und Ärzte beginnen bei Älteren meist mit einer sehr niedrigen Dosis und steigern langsam.[13]

Rezept und Kosten (Stand November 2026)

Medizinisches Cannabis ist verschreibungspflichtig. Seit dem 30. Juli 2026 bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen keine Cannabisblüten mehr. Bei einer schwerwiegenden Erkrankung können sie weiterhin Extrakte in standardisierter Qualität und Arzneimittel mit den Wirkstoffen Dronabinol oder Nabilon übernehmen.[14]

Voraussetzung ist, dass eine übliche Behandlung nicht zur Verfügung steht oder im Einzelfall nicht in Frage kommt und eine spürbare Besserung zumindest möglich erscheint. Zuerst ist ein sechsmonatiger Therapieversuch mit einem zugelassenen cannabishaltigen Fertigarzneimittel vorgesehen. Vor der ersten Verordnung muss die Krankenkasse in der Regel zustimmen. Sie entscheidet innerhalb von zwei Wochen, mit Gutachten innerhalb von vier Wochen.[14]

Cannabisblüten können weiterhin auf Privatrezept verordnet werden. Die Kosten tragen Sie dann selbst.

Häufige Fragen

Hilft Cannabis beim Ein- und Durchschlafen?

Das ist nicht sicher belegt. Der Cochrane-Review von 2026 fand im Vergleich zum Scheinmedikament möglicherweise keinen oder nur einen geringen Effekt auf Schlafqualität und Schlafdauer.[1] Etwas besser sind die Daten bei Menschen, deren Schlaf durch chronische Schmerzen gestört ist.[3]

Ist CBD ein gutes Schlafmittel?

Dafür gibt es keine Belege. In einer Auswertung von 2025 zeigte reines CBD keinen Effekt auf die Schlafqualität.[8] CBD kann außerdem den Abbau anderer Medikamente in der Leber verändern.[12]

Macht Cannabis weniger abhängig als Schlaftabletten?

Einen direkten Vergleich bei älteren Menschen gibt es nicht. Auch bei Cannabis besteht die Gefahr von Missbrauch und Abhängigkeit.[4] Die Leitlinie rät davon ab, klassische Schlafmittel wie Benzodiazepine über lange Zeit einzunehmen.[2]

Was hilft bei Schlafstörungen im Alter am besten?

Am besten belegt ist die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie. Die Leitlinie empfiehlt sie als erste Behandlung, auch bei Begleiterkrankungen.[2] Fragen Sie in Ihrer Hausarztpraxis nach diesem Angebot.

Übernimmt die Krankenkasse Cannabis bei Schlafstörungen?

Die Krankenkasse kann Cannabis-Arzneimittel nur bei einer schwerwiegenden Erkrankung übernehmen, wenn eine übliche Behandlung nicht zur Verfügung steht oder nicht in Frage kommt. Cannabisblüten zahlt sie seit dem 30. Juli 2026 nicht mehr.[14] Für Insomnie steht mit der Verhaltenstherapie eine geprüfte Behandlung bereit.[2]

Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, wenn Sie seit Wochen schlecht schlafen und tagsüber erschöpft sind. Oft steckt eine behandelbare Ursache dahinter, zum Beispiel Schmerzen, ein Medikament oder eine Depression. Gemeinsam lässt sich klären, welche Behandlung zuerst sinnvoll ist. Bringen Sie eine Liste aller Medikamente mit, damit Wechselwirkungen auffallen.

Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob eine Behandlung mit Cannabis für Sie in Frage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nach einer persönlichen Untersuchung.

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Quellen

  1. Varela LB, Miño Zambrano JE, Maura Goncalves Costa B, Santos Marques da Silva G, Escobar Liquitay CM, Díaz Menai S, Meza N, Garegnani LI. Medical cannabis for the treatment of insomnia. Cochrane Database Syst Rev. 2026;10(10):CD016216. doi:10.1002/14651858.CD016216.pub2. PMID 42863850. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/42863850/ (geprüft am 2. November 2026)
  2. Spiegelhalder K, Baum E, Becker M, et al., Riemann D. S3-Leitlinie Insomnie bei Erwachsenen, Update 2025. AWMF-Registernummer 063-003, Version 2.0. Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). https://register.awmf.org/assets/guidelines/063-003l_S3_Insomnie-bei-Erwachsenen_2025-04.pdf (geprüft am 2. November 2026)
  3. AminiLari M, Wang L, Neumark S, Adli T, Couban RJ, Giangregorio A, Carney CE, Busse JW. Medical cannabis and cannabinoids for impaired sleep: a systematic review and meta-analysis of randomized clinical trials. Sleep. 2022;45(2):zsab234. doi:10.1093/sleep/zsab234. PMID 34546363. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34546363/ (geprüft am 2. November 2026)
  4. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Abschlussbericht der Begleiterhebung nach § 31 Absatz 6 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch zur Verschreibung und Anwendung von Cannabisarzneimitteln. Bonn, 6. Juli 2022. https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Bundesopiumstelle/Cannabis/Abschlussbericht_Begleiterhebung.pdf?__blob=publicationFile (geprüft am 2. November 2026)
  5. Beyer AK, Yessimova D, Schlack R, Neuhauser H, Nübel J. Sleep onset problems and problems maintaining sleep among adults in Germany. Results from the Panel 'Health in Germany' 2024. J Health Monit. 2026;11:07. doi:10.25646/14234. PMID 42266787. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/42266787/ (geprüft am 2. November 2026)
  6. Schlack R, Hapke U, Maske U, Busch M, Cohrs S. Häufigkeit und Verteilung von Schlafproblemen und Insomnie in der deutschen Erwachsenenbevölkerung. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsbl. 2013;56(5-6):740-748. doi:10.1007/s00103-013-1689-2. PMID 23703493. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23703493/ (geprüft am 2. November 2026)
  7. Pollmächer T, Hatzinger M. Schlafstörungen: Besonderheiten im Alter. Neurologen und Psychiater im Netz. https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/stoerungen-erkrankungen/schlafstoerungen/besonderheiten-im-alter/ (geprüft am 2. November 2026)
  8. da Silva GHS, Barbosa EC, de Lima FR, Barroso DC, Paez LEFE, Guimarães FBM, Lança SB, de Faria SBC, Petrucci ABC, Garbacka A, Walsh JH. Effectiveness of cannabinoids on subjective sleep quality in people with and without insomnia or poor sleep: A systematic review and meta-analysis of randomised studies. Sleep Med Rev. 2025;84:102156. doi:10.1016/j.smrv.2025.102156. PMID 40929927. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40929927/ (geprüft am 2. November 2026)
  9. Wilson J, Dobson O, Langcake A, Mishra P, Bryant Z, Leung J, Dawson D, Graham M, Teesson M, Freeman TP, Hall W, Chan GCK, Stockings E. The efficacy and safety of cannabinoids for the treatment of mental disorders and substance use disorders: a systematic review and meta-analysis. Lancet Psychiatry. 2026;13(4):304-315. doi:10.1016/S2215-0366(26)00015-5. PMID 41856154. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41856154/ (geprüft am 2. November 2026)
  10. Hsu M, Shah A, Jordan A, Gold MS, Hill KP. Therapeutic Use of Cannabis and Cannabinoids: A Review. JAMA. 2026;335(4):345-359. doi:10.1001/jama.2025.19433. PMID 41296368. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41296368/ (geprüft am 2. November 2026)
  11. Velayudhan L, Pisani S, Dugonjic M, McGoohan K, Bhattacharyya S. Adverse events caused by cannabinoids in middle aged and older adults for all indications: a meta-analysis of incidence rate difference. Age Ageing. 2024;53(11):afae261. doi:10.1093/ageing/afae261. PMID 39602500. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39602500/ (geprüft am 2. November 2026)
  12. Ho JJY, Goh C, Leong CSA, Ng KY, Bakhtiar A. Evaluation of potential drug-drug interactions with medical cannabis. Clin Transl Sci. 2024;17(5):e13812. doi:10.1111/cts.13812. PMID 38720531. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38720531/ (geprüft am 2. November 2026)
  13. MacCallum CA, Russo EB. Practical considerations in medical cannabis administration and dosing. Eur J Intern Med. 2018;49:12-19. doi:10.1016/j.ejim.2018.01.004. PMID 29307505. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29307505/ (geprüft am 2. November 2026)
  14. Gesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz), Artikel 1 Nr. 12 c (§ 31 Abs. 6 SGB V). BGBl. 2026 I Nr. 228 vom 29.07.2026. https://www.recht.bund.de/bgbl/1/2026/228/VO.html (geprüft am 2. November 2026)