Stand: November 2026. Quellen geprüft am 2. November 2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für Cannabis bei Herzinsuffizienz gibt es keine Studie, die einen Nutzen zeigt. Die American Heart Association sieht bei Cannabis kaum Nutzen für Herz und Kreislauf.[3]
  • THC kann Puls und Blutdruck verändern. Die Fachinformationen nennen Menschen mit Herzerkrankungen als besonders gefährdet.[7][8]
  • Cannabis kann mit Herzmedikamenten zusammenwirken, zum Beispiel mit Gerinnungshemmern.[7]
  • Bei Herzleiden durch verengte Herzkranzgefäße überwiegen die Risiken laut einer aktuellen Übersichtsarbeit wahrscheinlich den Nutzen.[13]
Älterer Mann liest im Sessel Zeitung, die Beine auf einem Hocker hochgelegt.

Was ist Herzinsuffizienz im Alter?

Bei einer Herzinsuffizienz, auch Herzschwäche genannt, pumpt das Herz nicht mehr genug Blut durch den Körper. Typisch sind Luftnot bei Belastung, geringere Leistungsfähigkeit, Müdigkeit und Wassereinlagerungen.[2] Die Krankheit wird mit dem Alter deutlich häufiger. Nach einer Auswertung von Ultraschall-Reihenuntersuchungen haben in Industrieländern etwa 11,8 Prozent der Menschen ab 65 Jahren eine Herzinsuffizienz.[1]

Älteres Paar schneidet in der Küche gemeinsam Gemüse.

Was sagen Studien zu Cannabis bei Herzinsuffizienz?

Die American Heart Association (AHA), die große Fachgesellschaft für Herzmedizin in den USA, hat 2020 die Studienlage zu medizinischem Cannabis und Freizeitkonsum bewertet. Ihr Fazit: Cannabis kann einen therapeutischen Nutzen haben, aber kaum für Herz und Kreislauf. Viele der bedenklichen Folgen betreffen dagegen gerade Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wobei die Art der Einnahme eine Rolle spielen kann.[3]

Studien, die Cannabis gezielt bei Menschen mit Herzinsuffizienz auf einen Nutzen prüfen, gibt es bisher nicht. Ein Kurzbericht aus den USA von 2026 wertete Versicherungsdaten von Menschen mit Herzinsuffizienz aus. Zwischen Personen mit und ohne dokumentierten Cannabiskonsum fand er keinen Unterschied in der Sterblichkeit. Cannabiskonsum war dort aber nur selten erfasst, und eine Beobachtungsstudie sagt über einen Nutzen wenig aus.[4]

Zu CBD, dem nicht berauschenden Wirkstoff, beschreibt eine Übersichtsarbeit aus der Mayo Clinic von 2026 mögliche günstige Effekte auf das Herz. Diese stammen vor allem aus Labor- und Tierversuchen. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass es nur wenige klinische Studien gibt, die Dosierungen uneinheitlich sind und Sicherheitsfragen offen bleiben. Für die Behandlung einer Herzinsuffizienz ist CBD damit nicht belegt.[5]

Bei chronischen Schmerzen ohne Herzbezug wertete eine Übersicht im British Medical Journal 32 Studien mit 5.174 Teilnehmenden aus. Cannabis zum Einnehmen führte dort zu einer kleinen Schmerzlinderung und einer kleinen Besserung des Schlafs. Etwa 10 von 100 Behandelten erreichten zusätzlich eine spürbare Schmerzlinderung. Ob sich das auf Menschen mit Herzschwäche übertragen lässt, ist nicht untersucht.[6]

Älteres Paar liest auf dem Sofa gemeinsam ein Informationsblatt.

Welche Risiken gibt es für ältere Menschen?

Die US-Fachinformation für Dronabinol, also künstlich hergestelltes THC, warnt vor Kreislaufschwankungen. Der Blutdruck kann fallen oder steigen, der Puls kann sich beschleunigen, und es kann zu Ohnmachtsanfällen kommen. Menschen mit Herzerkrankungen haben dafür laut Fachinformation ein höheres Risiko. Blutdruck und Puls sollen deshalb nach Beginn und nach jeder Dosiserhöhung kontrolliert werden.[7]

Ähnlich ist es beim THC/CBD-Mundspray Nabiximols. Laut britischer Fachinformation können sich nach Beginn der Behandlung Puls und Blutdruck verändern, auch Ohnmachten wurden beobachtet. Bei schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird das Spray nicht empfohlen. Ältere Menschen bekommen nach dieser Fachinformation eher Nebenwirkungen, die das Nervensystem betreffen.[8]

Eine kanadische Beobachtungsstudie von 2026 verglich 54.006 Menschen mit ärztlicher Cannabis-Verordnung mit 161.265 Menschen ohne. In der Cannabis-Gruppe gab es etwas mehr Notfall- und Krankenhausbesuche wegen Herzinsuffizienz, 5,87 statt 5,14 pro 1.000 Personenjahre. Die Teilnehmenden hatten anfangs meist keine Herzinsuffizienz, 39 Prozent waren höchstens 50 Jahre alt. Eine Ursache beweist die Studie nicht.[9]

Zum Freizeitkonsum gibt es mehr Daten. Eine Übersichtsarbeit von 2025 fasste 24 Studien zusammen, fast alle zum Freizeitkonsum. Wer Cannabis nutzte, hatte häufiger ein akutes Koronarsyndrom, also einen Herzinfarkt oder eine akute Durchblutungsstörung des Herzens, und häufiger Schlaganfälle. Das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, war etwa doppelt so hoch. Ob das für ärztlich begleitete Therapie gilt, ist offen.[10]

In randomisierten Studien mit Teilnehmenden im Durchschnitt knapp 59 Jahren führten THC-haltige Präparate häufiger zu Mundtrockenheit, Schwindel und Schläfrigkeit als ein Placebo. CBD allein erhöhte die Zahl der Nebenwirkungen nicht.[11] Die Dronabinol-Fachinformation nennt bei älteren Menschen ausdrücklich Stürze, weil der Blutdruck beim Aufstehen absacken kann.[7]

Wechselwirkungen sind bei Herzmedikamenten besonders wichtig. Die Dronabinol-Fachinformation nennt Mittel, die ebenfalls auf Herz und Kreislauf wirken, und Gerinnungshemmer wie Warfarin, deren Wirkung sich verändern kann.[7] In einer kanadischen Studie mit 12.599 älteren Menschen mit Cannabis-Verordnung war das Risiko einer Arzneimittelvergiftung 2,6-fach höher, wenn sie zusätzlich Mittel mit enger therapeutischer Breite nahmen.[12]

Ältere Frau sitzt am Fenster bei einer Tasse Tee.

Für wen kann eine Behandlung in Frage kommen?

Ein Cannabis-Arzneimittel für Herzinsuffizienz gibt es nicht. In den USA sind Cannabinoide nur bei Appetitlosigkeit durch HIV/AIDS, bei Übelkeit durch Chemotherapie und bei bestimmten Epilepsien im Kindesalter zugelassen. Eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift JAMA von 2026 zählt die ischämische Herzkrankheit, also Herzleiden durch verengte Herzkranzgefäße, zu den Situationen, in denen die Risiken wahrscheinlich überwiegen.[13]

Erwägt eine Ärztin oder ein Arzt bei einem Menschen mit Herzschwäche dennoch Cannabis, etwa wegen starker Schmerzen, ist es sinnvoll, die Kardiologin oder den Kardiologen einzubeziehen. Bei Älteren beginnen Ärztinnen und Ärzte meist mit einer sehr niedrigen Dosis und steigern langsam. Eine pharmakologische Übersichtsarbeit nennt ernste Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Grund, auf Cannabis-Arzneimittel zu verzichten.[14]

In der deutschen Begleiterhebung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte mit 16.809 Behandelten meldeten Ärztinnen und Ärzte bei je 0,8 Prozent Herzrasen, Herzklopfen und niedrigen Blutdruck. Eine eigene Gruppe für Herzinsuffizienz gab es dort nicht. Die Erhebung hatte keine Vergleichsgruppe und ist daher kein Nachweis für Nutzen oder Sicherheit.[15]

Rezept und Kosten (Stand November 2026)

Medizinisches Cannabis ist verschreibungspflichtig. Seit dem 30. Juli 2026 bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen keine Cannabisblüten mehr. Bei einer schwerwiegenden Erkrankung können sie weiterhin Extrakte in standardisierter Qualität und Arzneimittel mit den Wirkstoffen Dronabinol oder Nabilon übernehmen.[16]

Voraussetzung ist, dass eine übliche Behandlung nicht zur Verfügung steht oder im Einzelfall nicht in Frage kommt und eine spürbare Besserung zumindest möglich erscheint. Zuerst ist ein sechsmonatiger Therapieversuch mit einem zugelassenen cannabishaltigen Fertigarzneimittel vorgesehen. Vor der ersten Verordnung muss die Krankenkasse in der Regel zustimmen. Sie entscheidet innerhalb von zwei Wochen, mit Gutachten innerhalb von vier Wochen.[16]

Cannabisblüten können weiterhin auf Privatrezept verordnet werden. Die Kosten tragen Sie dann selbst.

Häufige Fragen

Kann Cannabis bei Herzschwäche helfen?

Ein Nutzen ist nicht belegt. Es gibt keine Studie, die Cannabis bei Herzinsuffizienz auf Wirksamkeit geprüft hat. Die American Heart Association sieht bei Cannabis kaum Nutzen für Herz und Kreislauf.[3]

Ist CBD bei Herzinsuffizienz unbedenklich?

Das lässt sich nicht sagen. Mögliche günstige Effekte von CBD auf das Herz kennt man vor allem aus Labor- und Tierversuchen, klinische Studien gibt es nur wenige.[5] Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind bei Cannabis-Arzneimitteln möglich.[12]

Verändert THC Puls und Blutdruck?

Ja, das ist möglich. Laut Fachinformation kann THC den Puls beschleunigen und den Blutdruck senken oder erhöhen, beim raschen Aufstehen auch stark abfallen lassen. Menschen mit Herzerkrankungen sind dafür anfälliger.[7]

Wirkt Cannabis mit Herzmedikamenten zusammen?

Das kann passieren, zum Beispiel mit Gerinnungshemmern oder mit Mitteln, die ebenfalls auf Herz und Kreislauf wirken.[7] Bringen Sie deshalb eine vollständige Medikamentenliste zum Arztgespräch mit.

Bekomme ich bei Herzinsuffizienz Cannabis auf Rezept?

Eine Ärztin oder ein Arzt kann medizinisches Cannabis bei einer schwerwiegenden Erkrankung verordnen, wenn übliche Behandlungen nicht in Frage kommen. Die gesetzliche Krankenkasse muss vor der ersten Verordnung in der Regel zustimmen. Cannabisblüten bezahlt sie seit dem 30. Juli 2026 nicht mehr.[16]

Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt oder mit Ihrer Kardiologin oder Ihrem Kardiologen, bevor Sie Cannabis oder CBD einnehmen. Bringen Sie alle Medikamente mit, auch frei verkäufliche. Wenn Schlafstörungen, Angst oder Schmerzen Sie belasten, gehört das ebenfalls ins Gespräch, denn dafür gibt es verschiedene Behandlungswege.

Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob eine Behandlung mit Cannabis für Sie in Frage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nach einer persönlichen Untersuchung.

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Quellen

  1. Groenewegen A, Rutten FH, Mosterd A, Hoes AW. Epidemiology of heart failure. Eur J Heart Fail. 2020;22(8):1342-1356. doi:10.1002/ejhf.1858. PMID 32483830. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7540043/ (geprüft am 2. November 2026)
  2. McDonagh TA, Metra M, Adamo M, et al. 2021 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure. Eur J Heart Fail. 2022;24(1):4-131. doi:10.1002/ejhf.2333. PMID 35083827. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35083827/ (geprüft am 2. November 2026)
  3. Page RL 2nd, Allen LA, Kloner RA, Carriker CR, Martel C, Morris AA, et al. Medical Marijuana, Recreational Cannabis, and Cardiovascular Health: A Scientific Statement From the American Heart Association. Circulation. 2020;142(10):e131-e152. doi:10.1161/CIR.0000000000000883. PMID 32752884. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32752884/ (geprüft am 2. November 2026)
  4. Ilonze OJ, Li X, Ouyang F, Allen LA, Page RL, Quinney SK, et al. Association of Cannabis use and Survival in patients with heart failure: A claims-based cohort study of commercially insured adults. Am Heart J Plus. 2026;64:100766. doi:10.1016/j.ahjo.2026.100766. PMID 41938984. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC13049656/ (geprüft am 2. November 2026)
  5. Abdalla HM, Bacon A, VanDolah H, Dreher L, Pathangey G, Abdelnabi M, et al. Cannabidiol in Cardiovascular Disease: A Review of Current Evidence and Future Directions. Mayo Clin Proc. 2026;101(2):297-309. doi:10.1016/j.mayocp.2025.10.009. PMID 41467868. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41467868/ (geprüft am 2. November 2026)
  6. Wang L, Hong PJ, May C, Rehman Y, Oparin Y, Hong CJ, et al. Medical cannabis or cannabinoids for chronic non-cancer and cancer related pain: a systematic review and meta-analysis of randomised clinical trials. BMJ. 2021;374:n1034. doi:10.1136/bmj.n1034. PMID 34497047. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34497047/ (geprüft am 2. November 2026)
  7. U.S. National Library of Medicine, DailyMed. Dronabinol capsules, for oral use (Fachinformation der US-Zulassung, generisches Präparat), Abschnitte 1, 4, 5.2, 7, 8.5 und 12.2. Fassung vom 13.04.2026. https://dailymed.nlm.nih.gov/dailymed/drugInfo.cfm?setid=66f36fe0-9808-4b73-a99a-794d86ff0c1c (geprüft am 2. November 2026)
  8. Electronic Medicines Compendium (UK). Nabiximols (THC/CBD-Mundspray): Summary of Product Characteristics, Abschnitte 4.2, 4.3, 4.4 und 5.2. Textstand 02.04.2026. https://www.medicines.org.uk/emc/product/602/smpc (geprüft am 2. November 2026)
  9. Dubois C, Eurich DT, Dyck JRB, Hyshka E, Hanlon JG, Zongo A. Risk of Heart Failure-related Events in Patients Exposed to Medical Cannabis: A Longitudinal Cohort Study. Am J Med Open. 2026;15:100120. doi:10.1016/j.ajmo.2025.100120. PMID 41497552. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12767842/ (geprüft am 2. November 2026)
  10. Storck W, Elbaz M, Vindis C, et al. Cardiovascular risk associated with the use of cannabis and cannabinoids: a systematic review and meta-analysis. Heart. 2025;111(22):1047-1056. doi:10.1136/heartjnl-2024-325429. PMID 40527600. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40527600/ (geprüft am 2. November 2026)
  11. Velayudhan L, McGoohan K, Bhattacharyya S. Safety and tolerability of natural and synthetic cannabinoids in adults aged over 50 years: A systematic review and meta-analysis. PLoS Med. 2021;18(3):e1003524. doi:10.1371/journal.pmed.1003524. PMID 33780450. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8007034/ (geprüft am 2. November 2026)
  12. Bérété ZC, Sebgo AA, Eurich DT, Dubois C, Dyck JR, Hanlon JG, Zongo A. Concomitant use of medical cannabis and drugs associated with risks of interaction in older patients: a longitudinal cohort study. Age Ageing. 2025;54(12):afaf359. doi:10.1093/ageing/afaf359. PMID 41396801. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12704418/ (geprüft am 2. November 2026)
  13. Hsu M, Shah A, Jordan A, Gold MS, Hill KP. Therapeutic Use of Cannabis and Cannabinoids: A Review. JAMA. 2026;335(4):345-359. doi:10.1001/jama.2025.19433. PMID 41296368. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41296368/ (geprüft am 2. November 2026)
  14. Lucas CJ, Galettis P, Schneider J. The pharmacokinetics and the pharmacodynamics of cannabinoids. Br J Clin Pharmacol. 2018;84(11):2477-2482. doi:10.1111/bcp.13710. PMID 30001569. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6177698/ (geprüft am 2. November 2026)
  15. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Abschlussbericht der Begleiterhebung nach § 31 Abs. 6 SGB V zur Verschreibung und Anwendung von Cannabisarzneimitteln. 06.07.2022. https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Bundesopiumstelle/Cannabis/Abschlussbericht_Begleiterhebung.pdf?__blob=publicationFile (geprüft am 2. November 2026)
  16. Gesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz), Artikel 1 Nr. 12 c (§ 31 Abs. 6 SGB V). BGBl. 2026 I Nr. 228 vom 29.07.2026. https://www.recht.bund.de/bgbl/1/2026/228/VO.html (geprüft am 2. November 2026)