Stand: November 2026. Quellen geprüft am 2. November 2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Studienlage zu Cannabis bei Fibromyalgie ist schwach. Die Cochrane-Übersicht von 2016 fand nur zwei kleine Studien mit 72 Teilnehmenden und keinen überzeugenden Beleg für einen Nutzen.[1]
  • Eine neuere Auswertung von 2026 deutet auf eine mögliche Schmerzlinderung hin. Sie stützt sich aber überwiegend auf Beobachtungsstudien, und die Vertrauenswürdigkeit ist niedrig.[2]
  • In einer großen Beobachtungsstudie sprachen Menschen über 60 Jahre seltener auf die Behandlung an als Jüngere.[3] Mit THC steigen bei Älteren Schwindel und Sturzgefahr.[4]
  • Die deutsche Leitlinie empfiehlt andere Medikamente. Cannabis kommt nach Einschätzung der Deutschen Schmerzgesellschaft höchstens als individueller Therapieversuch in Frage.[5]
Ältere Frau macht eine Dehnübung im Gemeinschaftsraum, im Hintergrund weitere Seniorinnen und Senioren.

Was ist Fibromyalgie im Alter?

Fibromyalgie, genauer Fibromyalgiesyndrom, bezeichnet anhaltende Schmerzen in vielen Körperregionen. Oft kommen Schlafprobleme und starke Erschöpfung hinzu. Die Ursache ist nicht geklärt.[1]

In einer repräsentativen Befragung in Deutschland erfüllten 2,1 Prozent der Erwachsenen die Kriterien für eine Fibromyalgie. Die Häufigkeit nahm mit dem Alter zu. Frauen waren etwas häufiger betroffen als Männer (2,4 gegenüber 1,8 Prozent), der Unterschied war aber statistisch nicht gesichert.[6]

Medikamente spielen bei Fibromyalgie eine Nebenrolle. Laut Deutscher Schmerzgesellschaft werden sie nur unterstützend und für begrenzte Zeit eingesetzt.[7] Die deutsche Leitlinie von 2017 nennt die Wirkstoffe Amitriptylin und Duloxetin bei begleitender Depression oder Angststörung, Pregabalin bei Angststörung. Starke Opioide empfiehlt sie nicht.[8] Diese Leitlinie ist seit März 2022 abgelaufen und wird überarbeitet.[9]

Ältere Frau ruht mit geschlossenen Augen im Sessel, ein Buch auf dem Schoß.

Was sagen Studien zu Cannabis bei Fibromyalgie?

Die Cochrane-Übersicht von 2016 ist die strengste Auswertung zu diesem Thema. Sie fand zwei Studien mit 32 und 40 Teilnehmenden, beide mit dem Wirkstoff Nabilon und vier bis sechs Wochen lang. Die Vertrauenswürdigkeit aller Ergebnisse war sehr niedrig. Die Forschenden fanden keine überzeugenden Belege für einen Nutzen.[1]

Eine Metaanalyse von 2026 bezog zwölf Studien mit 1.248 Betroffenen ein. Nur zwei davon waren kontrollierte Studien, zehn waren Beobachtungsstudien ohne Vergleichsgruppe. Die Auswertung fand weniger Schmerzen und bessere Werte bei Schlaf und Lebensqualität. Die Forschenden bewerten die Vertrauenswürdigkeit aber als niedrig und raten zur Vorsicht, weil sich die Studien stark unterschieden.[2]

Eine kleine kontrollierte Pilotstudie von 2026 testete ein Öl mit THC und CBD zu gleichen Teilen bei 24 Erwachsenen. Nach zwölf Wochen berichteten 70 Prozent in der Cannabisgruppe eine Schmerzverringerung um mindestens 30 Prozent, in der Placebogruppe 40 Prozent. Bei so wenigen Teilnehmenden ist das nur ein erster Hinweis, der in größeren Studien geprüft werden muss.[10]

In einer Beobachtungsstudie mit 367 Menschen aus einer spezialisierten Cannabis-Praxis sank der Schmerz im Mittel von 9 auf 5 Punkte auf einer Skala bis 10. Eine Vergleichsgruppe gab es nicht, und knapp 30 Prozent beantworteten die Nachbefragung nicht. Wichtig für Ältere: Wer über 60 war, sprach seltener auf die Behandlung an.[3]

Die Deutsche Schmerzgesellschaft fasst 2019 zusammen: Außerhalb von Nervenschmerzen, Spastik und Tumorschmerzen lässt sich nur ein individueller Therapieversuch begründen. Langzeitstudien zu Blüten und Extrakten fehlen fast völlig.[5]

Älteres Paar liest auf dem Sofa gemeinsam ein Informationsblatt.

Welche Risiken gibt es für ältere Menschen?

Eine Auswertung von 46 Studien mit 6.216 Menschen über 50 Jahren zeigt: Präparate mit THC führen häufiger zu Nebenwirkungen als ein Placebo. Typisch sind Schwindel, Schläfrigkeit und Mundtrockenheit. Reines CBD erhöhte die Nebenwirkungen in dieser Auswertung nicht.[4]

Schwindel ist im Alter besonders heikel, weil er Stürze begünstigt. Fachleute nennen bei Älteren außerdem Auswirkungen auf Denken und Gedächtnis, auf Herz und Kreislauf sowie auf Gang und Gleichgewicht.[11] In der Begleiterhebung des BfArM waren Müdigkeit (14,9 Prozent) und Schwindel (9,8 Prozent) die häufigsten gemeldeten Nebenwirkungen.[12]

Viele Menschen mit Fibromyalgie nehmen bereits Mittel wie Amitriptylin, Duloxetin oder Pregabalin. CBD kann den Abbau anderer Medikamente im Körper verändern.[13] Bringen Sie deshalb eine vollständige Liste Ihrer Medikamente zum Arzttermin mit. Fachleute empfehlen bei gebrechlichen Menschen und bei vielen gleichzeitig eingenommenen Medikamenten, mit einer sehr niedrigen Dosis zu beginnen und langsam zu steigern.[14]

Ältere Frau sitzt am Fenster bei einer Tasse Tee.

Für wen kann eine Behandlung in Frage kommen?

Für Fibromyalgie ist in Deutschland kein Cannabisarzneimittel eigens zugelassen. Die Europäische Schmerzföderation EFIC rät, Cannabis bei Schmerzen außerhalb von Nervenschmerzen nur als individuellen Therapieversuch zu erwägen. Voraussetzung ist, dass die empfohlenen Behandlungen nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden. Vorher werden realistische Ziele festgelegt. Werden sie nicht erreicht, soll die Behandlung enden.[15]

Eher nicht in Frage kommt Cannabis, solange Bewegung, Schulung und die empfohlenen Medikamente nicht ausprobiert wurden. Besondere Vorsicht gilt bei Gangunsicherheit oder früheren Stürzen, bei Gedächtnisproblemen und bei Herzerkrankungen.[11]

Rezept und Kosten (Stand November 2026)

Medizinisches Cannabis ist verschreibungspflichtig. Seit dem 30. Juli 2026 bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen keine Cannabisblüten mehr. Bei einer schwerwiegenden Erkrankung können sie weiterhin Extrakte in standardisierter Qualität und Arzneimittel mit den Wirkstoffen Dronabinol oder Nabilon übernehmen.[16]

Voraussetzung ist, dass eine übliche Behandlung nicht zur Verfügung steht oder im Einzelfall nicht in Frage kommt und eine spürbare Besserung zumindest möglich erscheint. Zuerst ist ein sechsmonatiger Therapieversuch mit einem zugelassenen cannabishaltigen Fertigarzneimittel vorgesehen. Vor der ersten Verordnung muss die Krankenkasse in der Regel zustimmen. Sie entscheidet innerhalb von zwei Wochen, mit Gutachten innerhalb von vier Wochen.[16]

Cannabisblüten können weiterhin auf Privatrezept verordnet werden. Die Kosten tragen Sie dann selbst.

Häufige Fragen

Hilft Cannabis bei Fibromyalgie?

Das ist nicht ausreichend belegt. Die strengste Auswertung fand keinen überzeugenden Nutzen.[1] Neuere Daten deuten bei einem Teil der Betroffenen auf weniger Schmerzen hin, stammen aber vor allem aus Beobachtungsstudien.[2]

Hilft Cannabis, wenn Opioide nicht gewirkt haben?

Ob Cannabis dann hilft, ist nicht belegt. Eine Auswertung von 2021 fand nur sehr unsichere Hinweise, dass sich Opioide mit Cannabis einsparen lassen.[17] Starke Opioide werden bei Fibromyalgie ohnehin nicht empfohlen.[8]

Ist CBD allein eine Möglichkeit?

In der Cochrane-Übersicht gab es keine Studie mit CBD allein.[1] CBD verursacht weniger Nebenwirkungen als THC, kann aber die Wirkung anderer Medikamente verändern.[13]

Darf ich mit medizinischem Cannabis Auto fahren?

Wer ein für ihn verschriebenes Cannabisarzneimittel bestimmungsgemäß einnimmt, fällt nicht unter die Bußgeldregel für Cannabis am Steuer.[18] Fahren dürfen Sie aber nur, wenn Sie sicher fahrtüchtig sind. Besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Bezahlt die Krankenkasse Cannabis bei Fibromyalgie?

Bei einer schwerwiegenden Erkrankung können die gesetzlichen Kassen Extrakte, Dronabinol oder Nabilon übernehmen, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Cannabisblüten zahlen sie seit dem 30. Juli 2026 nicht mehr.[16]

Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, wenn die Beschwerden Sie trotz Behandlung stark einschränken. Gemeinsam können Sie klären, welche Behandlungen noch offen sind und ob ein Versuch mit Cannabis in Ihrem Fall vertretbar ist. Bei schwer behandelbaren Verläufen kann eine Überweisung in eine schmerzmedizinische oder rheumatologische Praxis sinnvoll sein.

Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob eine Behandlung mit Cannabis für Sie in Frage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nach einer persönlichen Untersuchung.

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Quellen

  1. Walitt B, Klose P, Fitzcharles MA, Phillips T, Häuser W. Cannabinoids for fibromyalgia. Cochrane Database Syst Rev. 2016;7(7):CD011694. doi:10.1002/14651858.CD011694.pub2 · PMID 27428009 (geprüft am 2. November 2026)
  2. Lam PM, Wang F, Shing CH, Ho HC, Russo M, Ching Wong SS. Analgesic Effect of Cannabinoids for Fibromyalgia: A Systematic Review and Meta-Analysis. Pain Physician. 2026;29(2):95-107. PMID 42013320 (geprüft am 2. November 2026)
  3. Sagy I, Bar-Lev Schleider L, Abu-Shakra M, Novack V. Safety and Efficacy of Medical Cannabis in Fibromyalgia. J Clin Med. 2019;8(6):807. doi:10.3390/jcm8060807 · PMID 31195754 (geprüft am 2. November 2026)
  4. Velayudhan L, McGoohan K, Bhattacharyya S. Safety and tolerability of natural and synthetic cannabinoids in adults aged over 50 years: A systematic review and meta-analysis. PLoS Med. 2021;18(3):e1003524. doi:10.1371/journal.pmed.1003524 · PMID 33780450 (geprüft am 2. November 2026)
  5. Petzke F, Karst M, Gastmeier K, Radbruch L, Steffen E, Häuser W; Ad-hoc-Kommission der Deutschen Schmerzgesellschaft „Cannabis in der Medizin“. Positionspapier zum medizinischen Einsatz von Cannabis und cannabisbasierten Medikamenten in der Schmerzmedizin. Schmerz. 2019;33(5):449-465. doi:10.1007/s00482-019-00407-2 · PMID 31541311 (geprüft am 2. November 2026)
  6. Wolfe F, Brähler E, Hinz A, Häuser W. Fibromyalgia prevalence, somatic symptom reporting, and the dimensionality of polysymptomatic distress: results from a survey of the general population. Arthritis Care Res (Hoboken). 2013;65(5):777-85. doi:10.1002/acr.21931 · PMID 23424058 (geprüft am 2. November 2026)
  7. Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. Patienteninformation Fibromyalgie-Syndrom. schmerzgesellschaft.de (geprüft am 2. November 2026)
  8. Sommer C, Alten R, Bär KJ, Bernateck M, Brückle W, Friedel E, Henningsen P, Petzke F, Tölle T, Üçeyler N, Winkelmann A, Häuser W. Medikamentöse Therapie des Fibromyalgiesyndroms. Aktualisierte Leitlinie 2017 und Übersicht von systematischen Übersichtsarbeiten. Schmerz. 2017;31(3):274-284. doi:10.1007/s00482-017-0207-0 · PMID 28493231 (geprüft am 2. November 2026)
  9. AWMF-Leitlinienregister. S3-Leitlinie Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms, Registernummer 145-004, Version 1.7, Stand 17.03.2017, gültig bis 16.03.2022 (in Überarbeitung). register.awmf.org (geprüft am 2. November 2026)
  10. Kurlyandchik I, Tiralongo E, Lauche R, Tracey G, Ng J, Schloss J. Feasibility, Safety and Preliminary Efficacy of 1:1 THC:CBD Cannabis Oil for Fibromyalgia Symptoms: Results From a Randomised, Double-Blind, Placebo-Controlled Pilot Trial. Pain Res Manag. 2026;2026(1):e7311235. doi:10.1155/prm/7311235 · PMID 42142029 (geprüft am 2. November 2026)
  11. Minerbi A, Häuser W, Fitzcharles MA. Medical Cannabis for Older Patients. Drugs Aging. 2019;36(1):39-51. doi:10.1007/s40266-018-0616-5 · PMID 30488174 (geprüft am 2. November 2026)
  12. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Abschlussbericht der Begleiterhebung nach § 31 Abs. 6 SGB V zur Verschreibung und Anwendung von Cannabisarzneimitteln. 06.07.2022. bfarm.de (PDF) (geprüft am 2. November 2026)
  13. Brown JD, Winterstein AG. Potential Adverse Drug Events and Drug-Drug Interactions with Medical and Consumer Cannabidiol (CBD) Use. J Clin Med. 2019;8(7):989. doi:10.3390/jcm8070989 · PMID 31288397 (geprüft am 2. November 2026)
  14. Bhaskar A, Bell A, Boivin M, et al. Consensus recommendations on dosing and administration of medical cannabis to treat chronic pain: results of a modified Delphi process. J Cannabis Res. 2021;3(1):22. doi:10.1186/s42238-021-00073-1 · PMID 34215346 (geprüft am 2. November 2026)
  15. Häuser W, Finn DP, Kalso E, Krcevski-Skvarc N, Kress HG, Morlion B, Perrot S, Schäfer M, Wells C, Brill S. European Pain Federation (EFIC) position paper on appropriate use of cannabis-based medicines and medical cannabis for chronic pain management. Eur J Pain. 2018;22(9):1547-1564. doi:10.1002/ejp.1297 · PMID 30074291 (geprüft am 2. November 2026)
  16. Gesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz), Artikel 1 Nr. 12 c (§ 31 Abs. 6 SGB V). BGBl. 2026 I Nr. 228 vom 29.07.2026. https://www.recht.bund.de/bgbl/1/2026/228/VO.html (geprüft am 2. November 2026)
  17. Noori A, Miroshnychenko A, Shergill Y, et al. Opioid-sparing effects of medical cannabis or cannabinoids for chronic pain: a systematic review and meta-analysis of randomised and observational studies. BMJ Open. 2021;11(7):e047717. doi:10.1136/bmjopen-2020-047717 · PMID 34321302 (geprüft am 2. November 2026)
  18. Straßenverkehrsgesetz (StVG), § 24a. gesetze-im-internet.de (geprüft am 2. November 2026)