Degenerative Skeletterkrankungen

Ältere Frau mit Gelenkschmerzen

Stand: November 2026. Quellen geprüft am 2. November 2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Studienlage ist gemischt und insgesamt schwach. Bei Arthrose zeigten kontrollierte Studien keinen klaren Nutzen, bei chronischen Kreuzschmerzen fand eine große Studie einen kleinen Effekt.[1][2]
  • Dieser Effekt war klein: Auf einer Schmerzskala von 0 bis 10 lag er 0,6 Punkte über dem eines Scheinmedikaments.[2]
  • Schwindel und Müdigkeit gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen. Bei älteren Menschen steigt damit die Gefahr zu stürzen.[3][4]
  • Cannabis behandelt nicht den Verschleiß selbst. Es kommt nur in Frage, wenn übliche Schmerzbehandlungen nicht ausreichen oder nicht vertragen werden.[5]
Älterer Mann steigt im Haus vorsichtig die Treppe hinauf und hält sich am Geländer fest.

Was sind degenerative Skeletterkrankungen im Alter?

Degenerativ bedeutet, dass sich Gewebe mit der Zeit abnutzt. Am Skelett betrifft das vor allem zwei Bereiche: die Arthrose, also den Verschleiß des Gelenkknorpels an Knie, Hüfte oder Hand, und Verschleiß an der Wirbelsäule, etwa an Bandscheiben und Wirbelgelenken. Arthrose ist nach der Studie „Global Burden of Disease“ von chronischen Schmerzen und eingeschränkter Beweglichkeit geprägt und tritt meist nach dem 40. Lebensjahr auf.[6]

Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung. In einer Befragung des Robert Koch-Instituts gaben 17,9 Prozent der Erwachsenen an, in den letzten zwölf Monaten Arthrose gehabt zu haben. Ab 65 Jahren waren es 48,1 Prozent der Frauen und 31,2 Prozent der Männer.[7] Weltweit hatten 2020 rund 595 Millionen Menschen Arthrose. Bei Menschen ab 70 Jahren steht sie auf Platz sieben der Ursachen für gesundheitliche Einschränkungen.[6]

Entzündliche Gelenkerkrankungen wie die rheumatoide Arthritis haben eine andere Ursache, dort greift das Immunsystem die Gelenke an. Sie behandeln wir auf der Seite Cannabis bei Rheuma. Knochenschwund ist kein Verschleiß der Gelenke, sondern eine Erkrankung des Knochens selbst. Mehr dazu, auch zu Schmerzen nach Wirbelbrüchen, finden Sie auf der Seite Osteoporose.

Zwei ältere Frauen lachen bei der Wassergymnastik im Hallenbad.

Was sagen Studien zu Cannabis bei Arthrose und Rückenschmerzen?

Zu Cannabis bei Arthrose gibt es wenige, aber recht eindeutige Studien. Eine Übersichtsarbeit von 2026 fand vier kontrollierte Studien am Menschen. Keine davon zeigte einen deutlichen Vorteil gegenüber einem Scheinmedikament (Placebo) bei Schmerzen, Lebensqualität oder Beweglichkeit. Günstige Ergebnisse gab es nur in Labor- und Tierversuchen, die sich nicht einfach auf Menschen übertragen lassen.[1]

Zwei Studien mit CBD sind gut beschrieben. Bei 86 Menschen mit Knie-Arthrose, im Mittel knapp 63 Jahre alt, brachte CBD zusätzlich zu Paracetamol über acht Wochen keinen Vorteil. In der CBD-Gruppe traten aber mehr Nebenwirkungen auf, darunter erhöhte Leberwerte.[8] Bei 136 Menschen mit Hand-Arthrose oder Schuppenflechten-Arthritis waren die Schmerzen mit CBD nach zwölf Wochen nicht geringer als mit Scheinmedikament.[9]

Bei chronischen Kreuzschmerzen gibt es seit 2025 eine größere Studie. 820 Erwachsene erhielten zwölf Wochen lang einen Cannabis-Vollextrakt oder ein Scheinmedikament. Auf einer Skala von 0 bis 10 sanken die Schmerzen mit dem Extrakt im Mittel um 1,9 Punkte. Der Unterschied zum Scheinmedikament betrug 0,6 Punkte, ein kleiner Effekt. Nebenwirkungen hatten 83 Prozent in der Extrakt-Gruppe und 67 Prozent in der Placebo-Gruppe, meist leicht bis mittelschwer. Mehrere Autoren haben Verbindungen zu Cannabis-Herstellern.[2]

Eine laufend aktualisierte Übersicht der US-Gesundheitsbehörde AHRQ wertete 2025 insgesamt 29 Studien zu chronischen Schmerzen aus. Mundsprays mit THC und CBD sowie THC-haltige Mittel führten danach zu einer kleinen Schmerzabnahme. CBD allein zeigte keine Wirkung. Schwindel und Benommenheit traten deutlich häufiger auf als mit Scheinmedikament.[10] Zu sehr alten Menschen sagen solche Studien wenig, weil fast alle Teilnehmenden jünger als 60 Jahre waren.[11]

Leitlinien bleiben zurückhaltend. Das britische Institut NICE empfiehlt, Nabilon, Dronabinol, THC und die Kombination aus THC und CBD zur Behandlung chronischer Schmerzen bei Erwachsenen nicht anzubieten. CBD soll dort nur im Rahmen von Studien eingesetzt werden.[12] In Deutschland werden Cannabis-Arzneimittel trotzdem auch bei Rückenschmerzen und Arthrose verordnet. Das zeigt die Begleiterhebung des BfArM, die nach eigener Aussage aber keine klinische Studie ist und keine Wirkung belegen kann.[4]

Älteres Paar liest auf dem Sofa gemeinsam ein Informationsblatt.

Welche Risiken gibt es für ältere Menschen?

Eine Auswertung von 46 Studien mit über 6.000 Teilnehmenden ab 50 Jahren zeigte: THC-haltige Mittel führten häufiger zu Nebenwirkungen als ein Scheinmedikament, vor allem zu Schwindel, Schläfrigkeit und Mundtrockenheit. Schwere Nebenwirkungen waren nicht häufiger. Für Menschen über 75 Jahren gab es aber kaum Daten, und dort kann die Verträglichkeit anders sein.[3]

Wer Schmerzen in Knie, Hüfte oder Rücken hat, geht oft unsicherer. Schwindel kommt dann zu einem ohnehin erhöhten Sturzrisiko hinzu. Das BfArM schreibt, dass viele Nebenwirkungen von Cannabis-Arzneimitteln die Wachheit betreffen und bei Älteren zu einer erhöhten Sturzgefahr führen können. Müdigkeit meldeten Ärztinnen und Ärzte dort bei knapp 15 Prozent, Schwindel bei knapp 10 Prozent der Behandelten.[4]

Ältere Menschen mit Rückenschmerzen nehmen oft schon starke Schmerzmittel oder Schlafmittel. Zusammen mit solchen dämpfenden Mitteln kann Cannabis die Müdigkeit verstärken. Bei schweren psychischen, Herz-, Nieren- oder Lebererkrankungen raten Fachleute von Cannabis ab.[13] Eine Übersichtsarbeit stufte zudem die Wechselwirkung mit dem Blutverdünner Warfarin als sehr hohes Risiko ein.[14]

Ältere Frau sitzt am Fenster bei einer Tasse Tee.

Für wen kann eine Behandlung in Frage kommen?

Cannabis ist bei Arthrose und Verschleiß der Wirbelsäule keine Behandlung der ersten Wahl. In Frage kommt es allenfalls, wenn Schmerzen trotz der üblichen Behandlung stark bleiben und andere Schmerzmittel nicht ausreichen oder nicht vertragen werden. Ähnliche Voraussetzungen nennt das Gesetz für die Kostenübernahme durch die Krankenkasse.[5] Fachleute raten, Nutzen und Risiken bei jeder älteren Person einzeln abzuwägen.[11]

Wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt einen Versuch für sinnvoll hält, wird die Behandlung vorsichtig begonnen. Bei Älteren beginnen Ärztinnen und Ärzte meist mit einer sehr niedrigen Dosis und steigern langsam, während sie Wirkung und Nebenwirkungen genau beobachten.[13] Bringt der Versuch nach einiger Zeit keine spürbare Erleichterung, wird er beendet. In der BfArM-Erhebung war fehlende Wirkung der häufigste Grund für einen Abbruch.[4]

Rezept und Kosten (Stand November 2026)

Medizinisches Cannabis ist verschreibungspflichtig. Seit dem 30. Juli 2026 bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen keine Cannabisblüten mehr. Bei einer schwerwiegenden Erkrankung können sie weiterhin Extrakte in standardisierter Qualität und Arzneimittel mit den Wirkstoffen Dronabinol oder Nabilon übernehmen.[5]

Voraussetzung ist, dass eine übliche Behandlung nicht zur Verfügung steht oder im Einzelfall nicht in Frage kommt und eine spürbare Besserung zumindest möglich erscheint. Zuerst ist ein sechsmonatiger Therapieversuch mit einem zugelassenen cannabishaltigen Fertigarzneimittel vorgesehen. Vor der ersten Verordnung muss die Krankenkasse in der Regel zustimmen. Sie entscheidet innerhalb von zwei Wochen, mit Gutachten innerhalb von vier Wochen.[5]

Cannabisblüten können weiterhin auf Privatrezept verordnet werden. Die Kosten tragen Sie dann selbst.

Häufige Fragen

Kann Cannabis den Gelenkverschleiß aufhalten?

Dafür gibt es keinen Beleg. Studien am Menschen haben nur Schmerzen, Beweglichkeit und Lebensqualität untersucht, und bei Arthrose zeigte sich dabei kein klarer Vorteil gegenüber Scheinmedikament.[1]

Bringt CBD-Öl etwas bei Knie-Arthrose?

In einer kontrollierten Studie mit 86 Betroffenen brachte CBD zum Einnehmen keinen Vorteil gegenüber Scheinmedikament.[8] Auch eine Übersicht über chronische Schmerzen fand für CBD allein keine Wirkung.[10]

Welche Nebenwirkungen hat medizinisches Cannabis im Alter?

Häufig sind Schwindel, Schläfrigkeit und Mundtrockenheit.[3] Bei älteren Menschen ist vor allem der Schwindel wichtig, weil er die Sturzgefahr erhöht.[4]

Wer verschreibt medizinisches Cannabis bei Arthrose oder Rückenschmerzen?

Verschreiben kann Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt oder eine Fachärztin oder ein Facharzt, etwa für Orthopädie oder Schmerztherapie. Ob die Krankenkasse zahlt, hängt von engen Voraussetzungen ab und muss vorher beantragt werden.[5]

Bezahlt die Krankenkasse Cannabis bei Arthrose?

Cannabisblüten bezahlen die gesetzlichen Kassen seit dem 30. Juli 2026 nicht mehr. Extrakte sowie Dronabinol oder Nabilon können sie bei einer schwerwiegenden Erkrankung übernehmen, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind und die Kasse vorher zustimmt.[5]

Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt oder Ihrer orthopädischen Fachpraxis, wenn Gelenk- oder Rückenschmerzen trotz Behandlung stark bleiben. Bringen Sie eine Liste aller Medikamente mit, auch frei verkäufliche. Fragen Sie nach Nutzen, Nebenwirkungen und Sturzgefahr, und danach, welche anderen Möglichkeiten es für Sie noch gibt.

Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob eine Behandlung mit Cannabis für Sie in Frage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nach einer persönlichen Untersuchung.

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Quellen

  1. Abafita BJ, Singh A, Aitken D, Antony B. Efficacy and Safety of Cannabis Extracts for the Treatment of Osteoarthritis: A Systematic Review and Meta-Analysis of Preclinical and Human Studies. Pain Res Manag. 2026;2026(1):e3998239. doi:10.1155/prm/3998239 · PubMed 42515994 (geprüft am 2. November 2026)
  2. Karst M, Meissner W, Sator S, et al.. Full-spectrum extract from Cannabis sativa DKJ127 for chronic low back pain: a phase 3 randomized placebo-controlled trial. Nat Med. 2025;31(12):4189-4196. doi:10.1038/s41591-025-03977-0 · PubMed 41023483 (geprüft am 2. November 2026)
  3. Velayudhan L, McGoohan K, Bhattacharyya S. Safety and tolerability of natural and synthetic cannabinoids in adults aged over 50 years: A systematic review and meta-analysis. PLoS Med. 2021;18(3):e1003524. doi:10.1371/journal.pmed.1003524 · PubMed 33780450 (geprüft am 2. November 2026)
  4. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Abschlussbericht der Begleiterhebung nach § 31 Absatz 6 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch zur Verschreibung und Anwendung von Cannabisarzneimitteln. Bonn, 6. Juli 2022. Abschlussbericht (PDF) (geprüft am 2. November 2026)
  5. Gesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz), Artikel 1 Nr. 12 c (§ 31 Abs. 6 SGB V). BGBl. 2026 I Nr. 228 vom 29.07.2026. https://www.recht.bund.de/bgbl/1/2026/228/VO.html (geprüft am 2. November 2026)
  6. GBD 2021 Osteoarthritis Collaborators. Global, regional, and national burden of osteoarthritis, 1990-2020 and projections to 2050: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2021. Lancet Rheumatol. 2023;5(9):e508-e522. doi:10.1016/S2665-9913(23)00163-7 · PubMed 37675071 (geprüft am 2. November 2026)
  7. Fuchs J, Kuhnert R, Scheidt-Nave C. 12-month prevalence of osteoarthritis in Germany. J Health Monit. 2017;2(3):51-56. doi:10.17886/RKI-GBE-2017-066 · PubMed 37168952 (geprüft am 2. November 2026)
  8. Pramhas S, Thalhammer T, Terner S, et al.. Oral cannabidiol (CBD) as add-on to paracetamol for painful chronic osteoarthritis of the knee: a randomized, double-blind, placebo-controlled clinical trial. Lancet Reg Health Eur. 2023;35:100777. doi:10.1016/j.lanepe.2023.100777 · PubMed 38033459 (geprüft am 2. November 2026)
  9. Vela J, Dreyer L, Petersen KK, et al.. Cannabidiol treatment in hand osteoarthritis and psoriatic arthritis: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Pain. 2022;163(6):1206-1214. doi:10.1097/j.pain.0000000000002466 · PubMed 34510141 (geprüft am 2. November 2026)
  10. Chou R, Ahmed AY, Dana T, et al.. Living Systematic Review on Cannabis and Other Plant-Based Treatments for Chronic Pain: 2025 Update. Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ), Comparative Effectiveness Review, Report No. 25-EHC036, Juli 2025. doi:10.23970/AHRQEPCCER250UPDATE2025 · PubMed 40956916 (geprüft am 2. November 2026)
  11. Minerbi A, Häuser W, Fitzcharles MA. Medical Cannabis for Older Patients. Drugs Aging. 2019;36(1):39-51. doi:10.1007/s40266-018-0616-5 · PubMed 30488174 (geprüft am 2. November 2026)
  12. National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Cannabis-based medicinal products. NICE guideline NG144, veröffentlicht 11. November 2019, zuletzt aktualisiert 22. März 2021. Empfehlungen 1.2.1 und 1.2.2. https://www.nice.org.uk/guidance/ng144/chapter/Recommendations (geprüft am 2. November 2026)
  13. Lucas CJ, Galettis P, Schneider J. The pharmacokinetics and the pharmacodynamics of cannabinoids. Br J Clin Pharmacol. 2018;84(11):2477-2482. doi:10.1111/bcp.13710 · PubMed 30001569 (geprüft am 2. November 2026)
  14. Lopera V, Rodríguez A, Amariles P. Clinical Relevance of Drug Interactions with Cannabis: A Systematic Review. J Clin Med. 2022;11(5):1154. doi:10.3390/jcm11051154 · PubMed 35268245 (geprüft am 2. November 2026)