Stand: November 2026. Quellen geprüft am 2. November 2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ob Cannabis bei Angststörungen hilft, ist nicht ausreichend belegt. Eine große Übersichtsarbeit fand 2026 in randomisierten kontrollierten Studien keinen gesicherten Effekt auf Angst.[1]
  • Die deutsche S3-Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen gibt keine Empfehlung für Cannabis oder CBD.[2]
  • THC und CBD werden in der Leber über Enzyme abgebaut, die auch viele andere Arzneimittel verarbeiten. Dadurch sind Wechselwirkungen möglich.[3]
  • Angststörungen im Alter lassen sich mit Psychotherapie und bestimmten Medikamenten behandeln. Die erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis.[2]
Ältere Frau steht zögernd an der geöffneten Wohnungstür im Treppenhaus.

Was ist eine Angststörung im Alter?

Angst ist zunächst eine sinnvolle Reaktion auf Gefahr. Krankhaft wird sie, wenn sie übertrieben, unrealistisch oder ganz ohne Anlass auftritt und das Leben einschränkt. Häufige Formen sind die generalisierte Angststörung mit ständigen Sorgen, die Panikstörung mit plötzlichen Angstanfällen und Ängste vor bestimmten Situationen oder Dingen.[2]

In Deutschland hatten laut einer bundesweiten Gesundheitsstudie, die in der S3-Leitlinie ausgewertet wird, innerhalb eines Jahres 11,0 Prozent der Menschen zwischen 65 und 79 Jahren eine Angststörung. Über alle Altersgruppen waren es 15,3 Prozent.[2] Eine weltweite Auswertung von Studien mit älteren Menschen kam 2024 auf etwa 16,5 Prozent.[4]

Angstbeschwerden ohne volle Angststörung sind noch häufiger. Eine Übersichtsarbeit von 2025 fand sie bei etwa 28 Prozent der älteren Menschen. Betroffen waren häufiger Frauen, Menschen mit körperlichen Erkrankungen und Menschen mit wenig sozialem Rückhalt.[5] Im Alter werden Ängste leicht übersehen. Sie zeigen sich oft über körperliche Zeichen wie Schmerzen, Schwindel, Atemnot oder Schlafstörungen, berichten Fachärzte für Alterspsychiatrie.[6]

Ältere Frau sitzt mit geschlossenen Augen im Sessel, eine Hand auf der Brust.

Was sagen Studien zu Cannabis bei Angststörungen?

Die bisher umfassendste Auswertung erschien 2026 in der Fachzeitschrift Lancet Psychiatry. Sie fasste 54 randomisierte kontrollierte Studien mit 2.477 Teilnehmenden zu psychischen Erkrankungen zusammen. In solchen Studien entscheidet das Los, wer den Wirkstoff und wer ein Scheinmedikament bekommt. Bei Angst zeigten Cannabinoide keinen gesicherten Effekt. Die Teilnehmenden waren im Mittel 33 Jahre alt, ältere Menschen kamen kaum vor.[1]

Eine weitere Auswertung von 2025 umfasste 21 Studien mit Scheinmedikament als Vergleich, darunter Studien zu sozialer Angst und zur generalisierten Angststörung. Die Studien waren klein und sehr unterschiedlich aufgebaut. Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass reines CBD bei diesen Angststörungen nach Belegen niedriger Qualität allenfalls begrenzt wirkt.[7]

Etwas günstiger fällt das Ergebnis bei Menschen aus, die wegen einer anderen Erkrankung behandelt wurden. In sieben Studien mit 252 Teilnehmenden, vor allem mit chronischen Schmerzen oder Multipler Sklerose, besserte THC mit oder ohne CBD die Angstbeschwerden leicht. Die Qualität dieser Belege bewerteten die Forschenden als sehr niedrig. Nebenwirkungen und Abbrüche wegen Nebenwirkungen waren unter THC häufiger.[8]

Die S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen (Version 2, 2021) spricht keine Empfehlung für Cannabis oder CBD aus. Sie empfiehlt Psychotherapie, vor allem die kognitive Verhaltenstherapie. Darin lernt man, mit Angst auslösenden Gedanken und Situationen anders umzugehen. Für ältere Menschen nennt die Leitlinie zudem einige Medikamente, die als vergleichsweise sicher gelten, etwa bestimmte Antidepressiva.[2]

Älteres Paar liest auf dem Sofa gemeinsam ein Informationsblatt.

Welche Risiken gibt es für ältere Menschen?

Eine Auswertung von 58 randomisierten Studien mit 6.611 Menschen ab 50 Jahren zeigte 2024: Cannabis-Arzneimittel mit THC verursachen häufiger Nebenwirkungen als Scheinmedikamente. Je höher die THC-Dosis, desto öfter traten Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Benommenheit, Mundtrockenheit und Denkstörungen auf. Schwere Nebenwirkungen waren nicht häufiger.[9] Schwindel und unsicherer Gang können im Alter zu Stürzen führen.

Auch CBD ist nicht frei von Risiken, obwohl es nicht berauscht. Eine Übersichtsarbeit zu Studien bei Epilepsie und psychischen Erkrankungen fand unter CBD Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, veränderte Leberwerte, Durchfall, Müdigkeit und Schläfrigkeit.[10] Ältere Menschen nehmen oft mehrere Medikamente ein. Eine Arbeit von 2024 fand Hinweise auf Wechselwirkungen von Cannabis mit 20 Gruppen von Arzneimitteln, darunter Blutverdünner.[3]

Cannabis kann Angst auch verstärken. In Beobachtungsstudien zu Freizeitkonsum hatten Menschen, die stark THC-haltiges Cannabis nutzten, häufiger eine generalisierte Angststörung als Menschen mit schwächerem Cannabis. Ob das für ärztlich begleitete Therapie gilt, ist offen.[11] Zusammen mit Alkohol oder Beruhigungsmitteln wie Benzodiazepinen raten Fachleute von Cannabis ab, weil sich die dämpfende Wirkung addieren kann.[11]

Ein Risiko für Abhängigkeit besteht auch bei medizinischer Anwendung. In Beobachtungsstudien erfüllten 29 Prozent der Menschen, die Cannabis aus medizinischen Gründen nutzten, die Kriterien einer Cannabiskonsumstörung, also eines problematischen Gebrauchs bis hin zur Abhängigkeit. Ob das ebenso für eng ärztlich begleitete Behandlungen gilt, ist offen.[11] Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) weist bei Cannabisblüten auf die Gefahr von Missbrauch und Abhängigkeit hin.[12]

Ältere Frau sitzt am Fenster bei einer Tasse Tee.

Für wen kann eine Behandlung in Frage kommen?

Bei einer Angststörung allein ist medizinisches Cannabis nach heutigem Wissen keine belegte Behandlung.[1][2] Für ältere Menschen gibt es geprüfte Wege: Psychotherapie und bestimmte Medikamente. Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine sollen laut Leitlinie wegen der Gefahr einer Abhängigkeit nicht angeboten werden, bei Älteren kommt die Sturzgefahr hinzu.[2]

Anders kann es aussehen, wenn eine andere schwerwiegende Erkrankung im Vordergrund steht. In der deutschen Begleiterhebung des BfArM wurden Cannabis-Arzneimittel zu 76,4 Prozent wegen Schmerzen verordnet. Angststörungen gehörten nicht zu den dort einzeln aufgeführten Hauptdiagnosen.[12] Mehr dazu lesen Sie auf unserer Seite zu chronischen Schmerzen. Ob bei einer solchen Behandlung auch Ängste zurückgehen, ist nur schwach untersucht.[8] Ärztinnen und Ärzte beginnen bei Älteren meist mit einer sehr niedrigen Dosis und steigern langsam.[13]

Rezept und Kosten (Stand November 2026)

Medizinisches Cannabis ist verschreibungspflichtig. Seit dem 30. Juli 2026 bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen keine Cannabisblüten mehr. Bei einer schwerwiegenden Erkrankung können sie weiterhin Extrakte in standardisierter Qualität und Arzneimittel mit den Wirkstoffen Dronabinol oder Nabilon übernehmen.[14]

Voraussetzung ist, dass eine übliche Behandlung nicht zur Verfügung steht oder im Einzelfall nicht in Frage kommt und eine spürbare Besserung zumindest möglich erscheint. Zuerst ist ein sechsmonatiger Therapieversuch mit einem zugelassenen cannabishaltigen Fertigarzneimittel vorgesehen. Vor der ersten Verordnung muss die Krankenkasse in der Regel zustimmen. Sie entscheidet innerhalb von zwei Wochen, mit Gutachten innerhalb von vier Wochen.[14]

Cannabisblüten können weiterhin auf Privatrezept verordnet werden. Die Kosten tragen Sie dann selbst.

Häufige Fragen

Hilft CBD gegen Angst im Alter?

Das ist nicht ausreichend belegt. Kleine Studien deuten bei sozialer Angst und generalisierter Angststörung auf eine allenfalls begrenzte Wirkung von reinem CBD hin, die Qualität der Belege ist niedrig.[7] Studien mit älteren Menschen fehlen weitgehend.[1]

Ist CBD gut verträglich?

CBD berauscht nicht, hat aber Nebenwirkungen. In Studien traten unter anderem Müdigkeit, Durchfall und veränderte Leberwerte auf. CBD kann außerdem den Abbau anderer Medikamente in der Leber verändern.[10]

Gibt es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten?

Ja. THC und CBD werden über dieselben Leberenzyme abgebaut wie viele andere Arzneimittel. Fachleute fanden Hinweise auf Wechselwirkungen mit 20 Arzneimittelgruppen.[3] Bringen Sie deshalb zum Arztgespräch eine vollständige Liste aller Medikamente mit, auch der frei verkäuflichen.

Kann Cannabis Angst auch verstärken?

Ja, das ist möglich, vor allem bei THC. In Beobachtungsstudien zu Freizeitkonsum war stark THC-haltiges Cannabis mit mehr generalisierten Angststörungen verbunden. Ob das für ärztlich begleitete Therapie gilt, ist offen.[11]

Übernimmt die Krankenkasse Cannabis bei Angststörungen?

Die Krankenkasse kann Cannabis-Arzneimittel nur bei einer schwerwiegenden Erkrankung übernehmen, wenn eine übliche Behandlung nicht zur Verfügung steht oder nicht in Frage kommt. Vor der ersten Verordnung muss sie in der Regel zustimmen.[14] Für Angststörungen gibt es geprüfte Behandlungen.[2]

Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, wenn Sorgen, Unruhe oder Angstanfälle Ihren Alltag bestimmen. Dort lässt sich klären, ob eine Angststörung, eine Depression oder eine körperliche Ursache dahintersteckt. Gemeinsam können Sie entscheiden, welche Behandlung passt. Bringen Sie eine Liste aller Medikamente mit, damit Wechselwirkungen auffallen.

Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob eine Behandlung mit Cannabis für Sie in Frage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nach einer persönlichen Untersuchung.

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Quellen

  1. Wilson J, Dobson O, Langcake A, Mishra P, Bryant Z, Leung J, Dawson D, Graham M, Teesson M, Freeman TP, Hall W, Chan GCK, Stockings E. The efficacy and safety of cannabinoids for the treatment of mental disorders and substance use disorders: a systematic review and meta-analysis. Lancet Psychiatry. 2026;13(4):304-315. doi:10.1016/S2215-0366(26)00015-5. PMID 41856154. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41856154/ (geprüft am 2. November 2026)
  2. Bandelow B, Aden I, Alpers GW, et al. S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen, Version 2. AWMF-Registernummer 051-028. Stand 6. April 2021. https://www.unimedizin-mainz.de/fileadmin/kliniken/pt/Psychosomatik_neu/S3-Leitlinen_Angststoerung.pdf (geprüft am 2. November 2026)
  3. Ho JJY, Goh C, Leong CSA, Ng KY, Bakhtiar A. Evaluation of potential drug-drug interactions with medical cannabis. Clin Transl Sci. 2024;17(5):e13812. doi:10.1111/cts.13812. PMID 38720531. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38720531/ (geprüft am 2. November 2026)
  4. Jalali A, Ziapour A, Karimi Z, Rezaei M, Emami B, Kalhori RP, Khosravi F, Sameni JS, Kazeminia M. Global prevalence of depression, anxiety, and stress in the elderly population: a systematic review and meta-analysis. BMC Geriatr. 2024;24(1):809. doi:10.1186/s12877-024-05311-8. PMID 39367305. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39367305/ (geprüft am 2. November 2026)
  5. Shafiee A, Mohammadi I, Rajai S, Jafarabady K, Abdollahi A. Global prevalence of anxiety symptoms and its associated factors in older adults: A systematic review and meta-analysis. J Gen Fam Med. 2025;26(2):116-127. doi:10.1002/jgf2.750. PMID 40061394. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40061394/ (geprüft am 2. November 2026)
  6. Neurologen und Psychiater im Netz. Im Alter werden Angststörungen leicht übersehen und fehlinterpretiert. https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/ratgeber-archiv/artikel/im-alter-werden-angststoerungen-leicht-uebersehen-und-fehlinterpretiert/ (geprüft am 2. November 2026)
  7. Raminelli AO, Simei JLQ, Guimarães FS, Zuardi A, Hallak JEC, Crippa JA, Osório FL. Effects of Different Cannabinoid Formulations on Anxiety-Related Disorders, and Tourette Syndrome: A Systematic Review and Meta-Analysis. Cannabis Cannabinoid Res. 2025;10(6):655-672. doi:10.1177/25785125251378242. PMID 40956670. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40956670/ (geprüft am 2. November 2026)
  8. Black N, Stockings E, Campbell G, Tran LT, Zagic D, Hall WD, Farrell M, Degenhardt L. Cannabinoids for the treatment of mental disorders and symptoms of mental disorders: a systematic review and meta-analysis. Lancet Psychiatry. 2019;6(12):995-1010. doi:10.1016/S2215-0366(19)30401-8. PMID 31672337. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31672337/ (geprüft am 2. November 2026)
  9. Velayudhan L, Pisani S, Dugonjic M, McGoohan K, Bhattacharyya S. Adverse events caused by cannabinoids in middle aged and older adults for all indications: a meta-analysis of incidence rate difference. Age Ageing. 2024;53(11):afae261. doi:10.1093/ageing/afae261. PMID 39602500. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39602500/ (geprüft am 2. November 2026)
  10. Huestis MA, Solimini R, Pichini S, Pacifici R, Carlier J, Busardò FP. Cannabidiol Adverse Effects and Toxicity. Curr Neuropharmacol. 2019;17(10):974-989. doi:10.2174/1570159X17666190603171901. PMID 31161980. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31161980/ (geprüft am 2. November 2026)
  11. Hsu M, Shah A, Jordan A, Gold MS, Hill KP. Therapeutic Use of Cannabis and Cannabinoids: A Review. JAMA. 2026;335(4):345-359. doi:10.1001/jama.2025.19433. PMID 41296368. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41296368/ (geprüft am 2. November 2026)
  12. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Abschlussbericht der Begleiterhebung nach § 31 Absatz 6 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch zur Verschreibung und Anwendung von Cannabisarzneimitteln. Bonn, 6. Juli 2022. https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Bundesopiumstelle/Cannabis/Abschlussbericht_Begleiterhebung.pdf?__blob=publicationFile (geprüft am 2. November 2026)
  13. MacCallum CA, Russo EB. Practical considerations in medical cannabis administration and dosing. Eur J Intern Med. 2018;49:12-19. doi:10.1016/j.ejim.2018.01.004. PMID 29307505. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29307505/ (geprüft am 2. November 2026)
  14. Gesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz), Artikel 1 Nr. 12 c (§ 31 Abs. 6 SGB V). BGBl. 2026 I Nr. 228 vom 29.07.2026. https://www.recht.bund.de/bgbl/1/2026/228/VO.html (geprüft am 2. November 2026)